Gemeinsam Gegenwart denken
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Ins Licht geführt
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Ins Licht geführt

Posted on 15. März 2023 by Katharina Weiss
1. Lesung: 1 Sam 16,1b.6-7.10-13b| 2. Lesung: Eph 5,8-14| Evangelium: Joh 9,1-41

Die Frage nach der Sünde steht für die Jünger im Zentrum, als sie den Blindgeborenen sehen. Jesus stellt in Abrede, dass es einen Zusammenhang von Tun und Ergehen gibt. Er meint sogar, dass gerade an ihm die Werke Gottes offenbar werden sollen. Das Werk Gottes soll verdeutlichen, dass Gott ein anderes Sündenverständnis hat als die strenggläubigen Pharisäer. Jesus als „das Licht der Welt“ soll uns die Augen öffnen, worin die Sünde liegt und all jene ins Licht führen, die zu Unrecht ausgegrenzt werden. Jesus bückt sich für den vermeintlichen Sünder, ist bereit sich für ihn im Staub schmutzig zu machen. Er schickt den Blindgeborenen zum Teich Schiloach, dort soll er abwaschen was ihm die Augen be- bzw. die Sicht auf die Dinge verdeckt. Es war die Taufe des Blindgeborenen. Er soll in das Wasser des Schiloach ganz eintauchen. Der Text liefert dazu auch gleich die bedeutende Übersetzung des Wortes: in das Wasser des Gesandten. Er soll sich auf den neuen Weg Jesu einlassen.

Das Verhalten Jesu führt einmal mehr zu einer Spaltung unter den Pharisäern. Sie empfanden sich als die Hüter des Gesetzes und machten mit ihrer strengen Auslegung den Menschen den Alltag schwer. Die Frage nach Gesetzesübertretungen – der Sünde – prägte daher das religiöse Leben. Durch die Heilung des Blinden an einem Sabbat wurde auch Jesus der Sünde bezichtigt.  Jesus stellt nicht das Gesetz – die Einhaltung des Sabbats – in den Mittelpunkt, sondern die Bedürfnisse der Menschen.

Die Israeliten waren gespalten, die einen wollten anerkennen, dass der Blinde sehend geworden war und damit auch wieder die Chance hatte, Teil der Gemeinschaft sein zu können. Die anderen wollten ihn nicht wiedererkennen. Der Blindgeborene sollte bleiben, was er war – ein um Anerkennung Bettelnder.

Jesus schenkte dem Blindgeborenen nicht nur das Augenlicht, sondern auch seine Freiheit. Die Pharisäer wollten aber nicht anerkennen, dass er nach ihrem engen Rechtsverständnis nicht nur sehend geworden war, sondern auch von allen Sünden befreit wurde. Er sollte bleiben, was er war – ein Sünder. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Sie hatten ihre Vorstellungswelt und an ihr durfte nicht gerüttelt werden – selbst nicht vom Sohn Gottes.

Sie versuchten Druck auszuüben – auch auf die Eltern. Diese hatten die berechtigte Sorge, von der Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Die Eltern bekannten die Heilung des Sohnes, ein Jesus-Bekenntnis wollten sie aus Angst nicht ablegen. Auch den Blindgeborenen versuchten die Pharisäer durch mehrmalige Befragungen in die Enge zu treiben. Sie wollten nicht hören und gaben dem Geheilten keine Chance.

Obwohl die Pharisäer die Macht der Gesetzesauslegung an sich gezogen hatten, konnten sie die Heilung des Blinden nicht erklären. Sie sahen in ihm immer noch den Sünder. Er hatte ihnen nichts zu sagen. Jesus will im Gegenzug Menschen weder be- noch verurteilen. Er reicht ihnen die Hand und hilft ihnen, sehen zu lernen und das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Jesus wirft den Pharisäern vor, sehend die falschen Prioritäten zu setzen, denn das Gesetz soll den Menschen dienen und nicht umgekehrt. Darin sieht Jesus die Sünde.

Jesus lädt sie ein, von überkommenen Sichtweisen abzulassen und den Menschen Erlösung zu schenken. Wir sind alle von Zeit zu Zeit blind für das Wesentliche und verfangen uns in den Verstrickungen des Alltags. Zur Sünde wird es dann, wenn wir uns nicht mehr hinterfragen und reflektieren. Eine zu verbissene Gesetzes- und Traditionstreue kann schnell zu einem Tunnelblick führen. Der Blinde wurde vom damaligen Glaubensestablishment ausgestoßen. Jesus führt ihn ins Licht und sieht die nachhaltige Blindheit bei den selbsternannten Auslegern des Rechts.

Die Pharisäer meinen alles zu wissen und plötzlich sind sie mit etwas konfrontiert, dass sie nach ihrem klaren schwarz/weiß Schema nicht einordnen können. „Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet, und seinen Willen tut, den erhört er.“ Der Glaube an einen furchterregenden und strafenden Gott dient ihrem Machterhalt. Zwischen dem Verfassen des gelesen Evangelienabschnittes und heute liegen Jahrtausende, dieser Zugang zum Machterhalt über die Reglementierung von Glaubensfragen ist aber leider immer noch aktuell. Jesus bringt diese Gedankenwelt allerdings zum Einsturz. Er wäre sogar mit den Pharisäern großzügig, wenn sie bereit wären sich selbstkritisch zu hinterfragen. Nachdem sie sich aber bedingungslos an ihrer Enge und an ihrem Machterhalt festklammern, bezichtigt Jesus sie der Sünde.

Die Bibel berichtet uns davon, dass Gott auch auf krummen Zeilen gerade schreiben möchte (Gen 27,1-29), im Vaterunser beten wir, „dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“. Damit sprechen wir Gott zu, größer und weiter zu denken und handeln zu können, als wir dazu fähig oder willens sind. Es ist die Bitte uns vor der beschriebenen Blindheit der Pharisäer zu bewahren und Gott die Freiheit zu lassen, Sünden zu vergeben, Menschen über das Gesetz zu stellen und uns von seiner Barmherzigkeit immer wieder überraschen zu lassen.

 

Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem ersten Buch Sámuel anhören möchten:


 

Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Éphesus anhören möchten:

 

Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Johannes anhören möchten:

 

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