Auf den Berg geführt 1.Lesung: Zef 2,3;3,12-13| 2.Lesung: 1 Kor 1,26-31| Evangelium: Mt 5,1-12a
Als Evangelium haben wir den Beginn der Bergpredigt gehört. Es ist die erste der fünf Reden Jesu im Matthäusevangelium. Sie ist programmatisch und gleicht einem Programm einer angehenden Regierung. Zum besseren Verständnis trägt bei, wenn die Umstände mitbedacht werden, die Jesus vor Augen hat.
Jesus hörte von der Verhaftung Johannes des Täufers, die Verhaftung eines Freundes. Jesus reagiert darauf. Er tritt auf und sucht Menschen, die mit ihm gehen. Er beruft die ersten Jünger:innen. Er beginnt in den Ortschaften Galiläas, in den Synagogen die Botschaft vom nahen Reich Gottes zu verkünden. Es führt dazu, dass viele Menschen zu ihm kommen.
Darauf folgt die Bergpredigt. Da heißt es: Als er die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Vielen mag ein solcher Satz nebensächlich erscheinen. Doch bedenkt man die Umstände, bekommt er große Bedeutung zum Verständnis der Bergpredigt. Jesus sah die vielen Menschen. Er hatte viel Armut, Not und Elend vor sich. Man weiß, dass ca. 92% am Existenzminimum lebten, etwa 6% bildeten den Mittelstand und 1-2% waren reich, superreich.
Es gab viele Arme. Armut macht krank und öffnet der Korruption Tür und Tor. Dann herrschte im Land die „Pax Romana“. Das Land wurde von der Besatzungsmacht befriedet mit fremden Soldaten. Aufstände wurden im Keim gewaltsam erstickt. Frauen waren Vergewaltigungen ausgesetzt. Es gab keine UNO, die sich um Menschenrechte gekümmert hätte. Pilatus war Stadthalter. Seine Brutalität wurde selbst den Römern zu viel. Sechs Jahre nach dem Tod Jesu wurde er abgesetzt. Jesu Auftritt erfolgt also in einer gesellschaftlich und politisch äußerst angespannten Situation.
Als Jesus die vielen Menschen sah, ging er auf einen Berg. Der Anblick von Armut, Not und Elend entzieht Menschen Kräfte. Es zieht – wie wir zu sagen pflegen – hinunter. Es entmutigt, lässt resignieren. Jesus geht hinauf. Es ist ein sich sammeln, Luft holen, Kraft tanken, sich einen Überblick verschaffen.
Das Evangelium erwähnt eigens, dass sich Jesus dann setzt. Man mag fragen: Warum ist dieser Hinweis dem Evangelisten wichtig? Wäre er nicht wichtig, hätte er darauf verzichtet. Es ist Ausdruck einer Betroffenheit, die Jesus zusetzte und die ihn veranlasst, sie mit dem Mitgehenden intensiv zu besprechen. Er setzt sich und nimmt sich Zeit für die an ihn herantretenden Jünger:innen. Die Bergpredigt richtet sich an alle, aber zunächst wendet sich Jesus den Jünger:innen zu. Auch dies ein bedenkenswerter Aspekt.
In der Bergpredigt legt Jesus dann den Jünger:innen dar, wie er auf die politische und gesellschaftliche Situation reagieren will. Nebenbei sei erwähnt: Die Erkenntnis, dass die Bergpredigt als politisches Programm sehr wohl lebbar ist, verdanken wir nicht unmittelbar einem christlichen Politiker, sondern einem Hindu – Mahatma Gandhi. Er hatte die Bergpredigt in Südafrika kennengelernt und in ihrem Geist die Unabhängigkeitsbewegung Indiens von England im letzten Jahrhundert angeführt.
Jesus beginnt die Rede mit den Seligpreisungen. Wir können davon ausgehen, dass jede Seligpreisung jeweils eine Überschrift über ein großes Thema ist. Auch Teil der Bergpredigt ist das Gebot der Feindesliebe. Es braucht sie, um Hass, Rachegedanken und Not in einer solchen Gesellschaft nachhaltig überwinden zu können. Die Rede enthält ebenso das Vaterunser. Ohne Quelle des Gebetes ist nicht zu erwarten, dass diese Herausforderungen durchgestanden werden können. Jesus ermutigt mit Bilden zum Vertrauen in Gott. Wenn ER – Gott – sich schon um die Vögel des Himmels sorgt, so dürft ihr euch noch mehr um seine Sorge gewiss sein. So wie ER – Gott – Blumen wachsen und blühen lässt, das Staunen hervorruft, so freut sich Gott ungleich mehr über jeden Menschen. Die Bergpredigt schließt mit der Goldenen Regel: Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen.
Die Bergpredigt richtet sich gegen die Armut und das Elend von Menschen. Sie zeigt den Weg auf, wie Menschen und wie eine Gesellschaft aus der Gewalt und Korruption herauskommen, in der das Recht der scheinbar Starken dominiert. Sie ist ein Weg, der die Menschen und eine Gesellschaft großmachen. Ich kann nur einladen die Bergpredigt zu lesen und zu meditieren. Sie führt uns auf einen Berg.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Zefánja anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korínth anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.