Das Himmelreich hält Gegensätze aus 1.Lesung: Jes 8,23b-9,3| 2.Lesung: 1 Kor 1,10-13.17| Evangelium: Mt 4,12-23
Momentan bilden bestehende Grenzen in der Politik ein großes Thema. Großmächte stellen sie in Frage. Sie erheben Besitzansprüche über ganze Länder. Welche Folgen, die sich daraus resultierenden Kriege oder Konflikte haben, ist nicht absehbar. Es ist an der Zeit für die Diplomaten und Politiker zu beten, damit dieses Missachten des Völkerrechts nicht in einer größeren Katastrophe für uns Menschen endet.
Zugleich sind wir eingeladen, uns auf das Evangelium zu besinnen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Gegenmodell zu diesen gegenwärtigen, politischen Vorgängen. Es gilt diesen Leitsatz, mit dem Jesus auftritt, genauer zu beleuchten: „Kehrt um! (Denkt um!) Denn das Himmelreich ist nahe!“ (Mt 4,17b).
Zunächst die Frage: Welche Bilder, welche Vorstellungen werden in mir geweckt, wenn von Himmelreich die Rede ist? Befinde ich mich mitten drinnen oder ist es fern von mir? Außerhalb? Mit welchen Umständen, Menschen und Zuständen verbinde ich Himmelreich?
Jesus redet üblicherweise vom Reich Gottes. Bei Matthäus meidet er das Wort Gott und spricht vom Himmel. Das „Himmelreich“ heißt demnach so, weil es „vom Himmel“, also von Gott kommt. Der Himmel kommt herab auf die Erde. Statt mit „Reich“ könnte man das Wort „basileia“, das im griechischen Urtext steht, auch mit „Herrschaft“ oder „Königtum“ übersetzen. Es meint nämlich weniger ein räumlich umgrenztes „Reich“, sondern eher ein Ereignis: Die „Herrschaft Gottes“ beginnt, die „Kraft des Himmels“ wirkt jetzt auf der Erde.
Vorweg steht nochmals das „Kehrt um!“, das „Denkt um!“ Es ist eine Initiative Gottes, dass das Himmelreich nahekommt. Es braucht aber zugleich die Bereitschaft des Menschen, sich diesem Reich zu öffnen. Es braucht ein Umdenken. Es war damals herausfordernd und bleibt es vermutlich auch heute. Jesus rief zu diesem Umdenken auf, obwohl vermeintlich viel dagegensprach. So ist vorab erwähnt, dass man Johannes d. T. gefangen genommen hatte. Der politische, aber auch der wirtschaftliche Druck auf die Menschen war hoch. Jesu Antwort darauf, nochmals: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!“
Es ist ein Schlüsselsatz, um Jesus und seine Sendung zu verstehen. Im jüdischen Verständnis galt Galiläa als Missionsgebiet. Jesus wählt gerade ein solches Gebiet für seine Verkündigung aus. Er findet da Menschen, die mit ihm gehen. Er wählt Menschen aus, Männer und Frauen. Man ist versucht sich zwölf fromme Männer und in gleicher Weise Frauen vorzustellen. Weit gefehlt. Da treffen sich größte Gegensätze: Fischer, Pharisäer, Zöllner und andere bis hin zu Zeloten, wie zum Beispiel Judas. Heute würde man sie als Terroristen bezeichnen. Das Himmelreich hält die Gegensätze aus und gibt ihnen Raum zum Leben.
Mit dem Himmelreich steht in Verbindung das Heilen von Krankheiten. Jesus heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. Dieses Heilen ist ein vielschichtiges Wirken. Menschen unter Druck leiden unter Ängsten, Perspektivlosigkeit, Depressionen, Kraftlosigkeit u.a. Erlebte Gewalt lähmt, produziert Hass und Rachegedanken, zerstört Gemeinschaften und Beziehungen. Menschen in solchen Verhältnissen heilen ist Schwerarbeit und hat nichts mit Hokuspokus zu tun. Wir können nur erahnen, was im Satz angesprochen ist: Jesus heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Jesus wählte für seine Sendung zunächst eben dieses heidnische Galiläa. „Das Volk, das im Dunkel saß, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen“ (Mt 4,16). Jesus geht nicht in dieses Gebiet, um Menschen, Störenfriede, Ungläubige, Andersdenkende, Migranten, die es damals auch in reicher Zahl gab, zu vertreiben. Er geht hinein, um den Menschen Licht zu bringen, um ein neues Miteinander zu ermöglichen, um den Himmel auf der Erde erahnen zu lassen.
Jesus geht ferner nicht nach Galiläa, um irgendwelche Besitzansprüche geltend zu machen. Er hat nicht die Formel, unter meiner Herrschaft wird Friede sein, sondern sein Zugang lautet: Was trage ich dazu bei, dass die Menschen in diesem Gebiet heil und gesund, dass die Menschen mit Hoffnung, Kraft und Freude erfüllt werden.
Wir sind eingeladen der Großmacht Gottes zu trauen und zu vertrauen.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Jesája anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korínth anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.
2 Kommentare zu “Das Himmelreich hält Gegensätze aus 1.Lesung: Jes 8,23b-9,3| 2.Lesung: 1 Kor 1,10-13.17| Evangelium: Mt 4,12-23”
Wunderbare Verheutigung!
Vielen Dank, schönes Wochenende, Hugo
Lieber Erich,
vielen Dank auch von mir für Dein “aggiornamento”, die “Verheutigung”.
Für “Kehrt um!”, steht in der griechischen Bibel: “metanoeite!”, das häufig eben auch mit “Denkt um!” übersetzt wird. Professor Hawlitschek SJ (oder so ähnlich), der der griechischen Sprach mächtig ist, übersetzte es vor vielen Jahren in Batschuns mit “Ändere deine Sinne!”, denn “noeite” von “nous” heißt wörtlich “wahrnehmen”.
“Ändere deine Wahrnehmung!”, “Ändere deinen Blickwinkel/ deine Gehörgewohnheit, dein Schmecken und Riechen,…” Oder heute: “Schau nicht auf das, was Trump, Putin, oder andere… tun, was die Werbung dir sagt, etc., denn das Reich der Himmel ist nahe! Hör auf die Schrift und hör auf dein Herz!”
Zur Anhängerschaft Jesu fällt mir noch ein schönes Wort von Johann Wolfgang von Goethe aus dem “Ost-Westlichen Diwan” ein:
“Welch bunte Gemeinde,
an Gottes Tisch sitzen Freunde und Feinde.”
Liebe Grüße und alles Gute
Felix