Gefährliche Arbeit im Weinberg 1.Lesung: EZ 18,25-28| 2.Lesung: Phil 2,1-11| Evangelium: Mt 21,28-32
Die Begegnung zwischen den Hohepriestern, den Ältesten und Jesus ereignet sich in einer angespannten Situation. Jesus ist in Jerusalem angekommen. Er hat am Tag davor die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel vertrieben mit der Ansage: „Mein Haus soll ein Haus des Gebetes genannt werden. Ihr aber macht es zu einer Räuberhöhle“ (Mt 21,13b). Es hat Diskussionen zur Folge. Wer gibt Jesus die Autorität zu einem solchen Handeln?
Jesus erzählt dazu das Gleichnis von den beiden Söhnen. Vermutlich wird dieses Gleichnis verständlicher, wenn wir es im Zusammenhang mit dem anschließenden Gleichnis lesen, in dem Jesus augenscheinlich sein eigenes Schicksal deutet.
Ein Gutsbesitzer legte einen Weinberg an, den er an Winzer verpachtete. Als nun die Ernte kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen. Die Winzer packten die Knechte und prügelten sie. Er schickte nochmals Knechte. Mit ihnen machten sie dasselbe. Zuletzt sandte er seinen Sohn, der dann von den Knechten umgebracht wurde, obwohl er Sohn und damit Erbe ist.
Dieses Gleichnis dürfte den Hinweis geben, warum im ersten Gleichnis der erste Sohn zögert und sich zunächst weigert und der zweite Sohn, trotz seinem gegebenen Ja zur Arbeit im Weinberg dann doch nicht hingeht. Sie ahnen, was ihnen blühen könnte. Der Weg in den Weinberg, die Arbeit im Weinberg ist gefährlich, lebensgefährlich.
Es ist ein Gleichnis, in dem Jesus auf das Reich Gottes verweist. Mit dem Reich Gottes nimmt Jesus Bezug auf das Wirken Gottes. Er liest und deutet die Geschichte auf Gott hin und was dabei sein Wille ist. Jesus nimmt dabei Bezug auf jene Liebe, die aus freien Stücken die Schöpfung in der Vielfalt und Buntheit hervorbrachte mit dem Menschen als Abbild, eine Schöpfung, die so viele Wunder in sich birgt und oftmals nur das Staunen bleibt. Mit Reich Gottes erinnert Jesus zugleich an die Geschichte, in der Gott von Anfang an nicht müde wurde, jenen Menschen nachzugehen, die sich verloren haben.
Er, Gott, beginnt neu die Beziehung mit Adam und Eva, die schuldig wurden und sich versteckten. Er bekleidet sie mit Fellen, damit sie nicht in der Kälte der Beziehungen erfrieren. Adam und Eva verloren das paradiesische Dasein, doch Gott stellt sie schließlich in das Licht der Sonne, östlich des Gartens Eden. Sie müssen den Rest des Lebens nicht in einem dunklen Keller verbringen (vgl. Gen 3,1-24).
Ebenso ermöglicht Gott dem Brudermörder Kain einen Neuanfang. Er schützt ihn mit einem Mal, damit niemand Hand an ihn lege (vgl. Gen 4,1-16). Die Erzählungen von der Sintflut und vom Turmbau zu Babel thematisieren ebenfalls das rettende Eingreifen Gottes in Situationen, in denen der Mensch sich selbst in Gefahr brachte. Das Reich Gottes leuchtet auf in den Erzählungen der Familien von Abraham und Sara, von Isaak und Rebekka, von Jakob und Josef mit den Brüdern. Das Reich Gottes wird ebenso sichtbar im befreienden Wirken beim Auszug Israels aus der Knechtschaft Ägyptens, weiter im treuen Dasein auf dem Weg durch Wüste bis hin zum Einzug ins gelobte Land. Auch die Heimholung aus der Gefangenschaft Babylons verweist auf die Absicht Gottes und sein Reich.
Jesus ist zutiefst vertraut mit diesen Geschichten, in denen sich der Wille des Vaters und seines Reich offenbart. Das Motiv des Vaters ist eine übergroße Liebe, die sich in all diesen Geschichten als bunt und vielgestaltig erweist. Jesus sieht sich als „Sohn“ dieses Vaters. Er ist vom Vater gesendet, seinen Willen im Heute zu leben. Jesus gibt sich diesem Willen des Vaters anheim.
Er will, wie der Vater, dass die Schöpfung Erlösung findet. Er will zeigen, dass der Wille des Vaters nicht durch das Böse in der Welt gebrochen werden kann, dass der Vater sein einmal gegebenes „Ja“ zur Schöpfung durchhält. Und so wird der Wille des Vaters auch sein Wille und schließlich auch sein Werk der Erlösung.
Vermutlich können wir beide Söhne in uns entdecken. Wir kennen seinen Willen, wir hören seinen Ruf im Weinberg Gottes zu arbeiten. Es gibt das Ja. Aber wir bleiben auf dem Weg stecken. Vielleicht betrifft es manche im Hinblick auf die Schöpfung. Die Folgen der Klimaerwärmung sind zu spüren. Welche Konsequenzen werden gezogen? Gesellschaftlich? Persönlich? Das Verhalten der beiden Söhne mag uns manchmal sehr nahe sein. Zumindest spüre ich es für mich.
Jesus diskutiert mit den Schriftgelehrten und Ältesten. Ihr Bestreben war es, die gewohnten Riten des Glaubens abzusichern und sie ohne Störung zu leben. Bei Jesus hat der Wille des Vaters und der Glaube einen anderen Schwerpunkt, nämlich die Arbeit für Gerechtigkeit, die Befreiung der Menschen aus Ängsten und Zwängen, die Arbeit für Versöhnung und Frieden und die Dankbarkeit für alles, was Gott täglich gibt. Nochmals der Vorwurf Jesu an die Ältesten und Schriftgelehrten: Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt (vgl. Mt 21,32). Die Arbeit im Weinberg Gottes ist der Einsatz für Recht und Gerechtigkeit. Sie sollen den Menschen zukommen, besonders den Ausgegrenzten. Gibt es dazu ein Ja, das möglicherweise auf der Strecke bleibt? Gibt es ein Nein, das zum Ja wird? Es geht um den Willen des Vaters.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Ezéchiel anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philíppi anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.
Ein Kommentar zu “Gefährliche Arbeit im Weinberg 1.Lesung: EZ 18,25-28| 2.Lesung: Phil 2,1-11| Evangelium: Mt 21,28-32”
Lieber Erich, danke für den Text.
Ich denke, so wie Menschen früher von den Schriftgelehrten manipuliert bzw. geprägt wurden, so wurden bzw. werden Menschen auch heute geprägt.
Wenn ich zu Kindern immer sage: “Du musst perfekt, schnell, alles geben, anderen alles recht machen oder stark sein.” Dann kann das schon Spuren hinterlassen. Therapeuten in den Kliniken können darüber sicherlich mehr erzählen. Diese Fachleute sagen dazu auch, dass die Religionen manche Möglichkeiten bieten, um diese krankmachenden Prägungen aufzulösen -z.B.
Rosenkranzgebet, Lachmeditationen, aktive Meditationen oder sonstige Entspannungsübungen. Jesus hat damals ja auch geholfen -durch seine Wunder-. Das verstehe ich als Arbeit im Weinberg. Gesegnete Grüße