Felsenfest gehalten werden 1.Lesung: Jes 22,19-23| 2.Lesung: Röm 11,33-36| Evangelium: Mt 16,13-20
Die Evangelien sind vielschichtig. Sie geben die Botschaft Jesu wieder, berücksichtigen dabei Themen und Herausforderungen der jeweiligen Gemeinde, versuchen darauf klärende Antworten, beziehungsweise Wege in die Zukunft aufzuzeigen.
Als Matthäus sein Evangelium schreibt, ist in Jerusalem der Tempel zerstört. Der Fels ist zur Ruine geworden. Es sind noch große Steine der Grundmauer zu sehen, heute bekannt und sichtbar als Klagemauer. Diese großen Steine blieben für Israel ein Unterpfand der Hoffnung, denn mit den Steinen ist ein unerschütterlicher Grund gelegt. Irgendwann kann darauf wieder Neues gebaut werden.
Das Erste Testament, vor allem die Psalmen schreiben Gott das Attribut Fels zu. ER ist Fels, Burg und Schutz. Jesus überträgt dieses Attribut und Bild des Felsen auf den Menschen, auf Simon, Petrus, Kephas. Alle drei Namen bedeuten in der jeweiligen Sprache: Fels. Der Evangelist führt hier zudem Petrus/Kephas als Gegenfigur zum Hohepriester Kajaphas ein. Nicht Kajaphas wird Halt geben und sich als verlässlich erweisen, sondern Petrus/Kephas.
Es erhebt sich die Frage, was ist an Petrus unerschütterlich, felsenhaft? Sein Leben hat Episoden, die daran zweifeln lassen. Als er aus dem Boot steigt, auf Jesus zugeht und den Wind sieht, beginnt er zu sinken. Jesus muss ihm rettend die Hand entgegenstrecken. Unmittelbar auf das heutige Evangelium folgend spricht Jesus sein Schicksal ahnend von seinem Sterben. Petrus reagiert mit der Antwort: Das soll Gott verhüten (vgl. Mt 16,22). Woraufhin Jesus anherrscht: Tritt hinter mich, du Satan! Jesus bezeichnet Petrus als Satan (vgl. Mt 16,23). Schließlich wissen wir aus der Passion, dass Petrus Jesus verspricht mit ihm in den Tod zu gehen. Schlussendlich verleugnet er dreimal Jesus und weint danach bitterlich (vgl. Mt 26,69-75).
Was ist das Felsenhafte an Petrus, mag man fragen? Mir scheint, dass es nicht in oder an seiner Person zu finden ist, sondern sich das Felsenhafte in der Treue Gottes ihm gegenüber zeigt. Als Petrus sinkt, streckt ihm Jesus die Hand entgegen. Als er sich Jesus in den Weg stellt, wird er von ihm nicht aus der Gruppe entlassen, sondern neu in die Nachfolge gerufen: Hinter mir her. An Ostern geht der Auferstandene auch ihm nach Galiläa voraus und wird sich ihm zeigen. Es gleicht einem Felsen, das Festhalten Gottes, des Festhalten Jesu an Petrus. Es ist zugleich Petrus, der sich trotz seiner Fehler, seiner menschlichen Schwächen und Unzulänglichkeiten festhalten lässt.
Auf diesem Felsen baut sich die Kirche auf, in der das Felsenmäßige, Hochmütig-Selbstgewisse abhandengekommen ist. Sie ist zutiefst erschüttert, schuldig geworden, hineingezogen ins Menschlich-Allzumenschliche. Geistlich arm stellt sie sich dar, auch phantasiearm. Das Lied „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land“ wirkt aus der Zeit gefallen. Viele haben Mühe sich mit der Kirche zu identifizieren, auch solchen, die sich einmal in ihr stark engagierten.
Das Felsenhafte. Petrus durfte lernen, dass er gehalten bleibt. Es mag ein Gedanke sein, den jede und jeder für sich mitnehmen kann. Das Felsenhafte liegt mehr in der Lernbereitschaft als in der eigenen Stärke, mehr in der Treue Gottes, in der Treue Jesu als im eigenen Vermögen.
Das Felsenhafte der Kirche liegt im Grundstein Jesu Christi. Es sind nicht großartige Bauten, perfekte, selbstherrliche Menschen, Besserwisserei, die Geringschätzung Gestrauchelter. Menschen der Kirche sind gerufen lernwillig zu bleiben, zugewandt jenen zu sein, die straucheln, vertrauend einem Gott, der uns und andere auf einem heilsamen Weg mitnimmt, der Geduld walten lässt und keinen verloren gibt.
Es ist das einzige Mal in den Evangelien, dass das Wort Kirche, „Ekklesia“ vorkommt. Häufig finden wir ihn in den Schriften des Paulus. Der Begriff hat seinen Ursprung in der Athener Bürgerversammlung. Es meint die Eingeladenen, nämlich alle sind eingeladen.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Jesája anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.
Ein Kommentar zu “Felsenfest gehalten werden 1.Lesung: Jes 22,19-23| 2.Lesung: Röm 11,33-36| Evangelium: Mt 16,13-20”
Lieber Erich, danke für Deine einfühlenden Worte.
Mir wird bewusst, wie oft ich in diesem Leben schon gestrauchelt bin oder gewackelt habe. Der Glaube an Jesus und das Gebet zu ihm -Vater unser-
haben mich immer auf den Weg mit Gott zurück gebracht. Ich frage mich, gibt es etwas wertvolleres als diese genannte Tatsache. Für Gott ist jeder Mensch wertvoll und er gibt niemanden auf. Es wäre unnatürlich, könnte ich so verstehen und vergeben, wie er. Ich versuche es trotzdem, auch wenn es mir oft nicht gelingt. Gesegnete Grüße