Einzug des Friedensfürsten 1.Lesung: Jes 50,4-7| 2.Lesung: Phil 2,6-11| Evangelium: Mt 26,14-27,66
„Als Jesus in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser?“ (Mt 21,10), so beschreibt der Evangelist Matthäus die Folgen des Einzugs Jesu in Jerusalem. Die Stadt bebte. Man kann nur ahnen, welche Diskussionen, Erwartungen, Forderungen, Wünsche und Hoffnungen bei den Menschen mit diesem Beben verbunden waren.
Jerusalem hatte in der Vergangenheit schon viele Einzüge von Eroberern, Königen, Fürsten und Herrschern erlebt. Viele zogen schwer bewaffnet und Soldaten im Gefolge ein. Sie kamen, plünderten die Stadt und nahmen viel mit. Zurück ließen sie oftmals Ruinen, Tote, Not und Elend.
Die Menschen erleben erneut einen Einzug und fragen: Was hat das zu bedeuten? Die Art und Weise, wie Jesus in die Stadt kommt, erinnert Bibelkundige von damals an den Propheten Sacharja. Er kündet am Ende der Zeiten einen Friedensfürsten an, der nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel reitend einzieht, Frieden mitbringt, für Recht und Gerechtigkeit sorgen wird (vgl. Sach 9,9). Ist diese Zeit gekommen? Dürfen sie hoffen?
Es gibt viele, die ihm zurufen: „Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“ Hosanna ist der Hilferuf von Ohnmächtigen schlechthin und heißt übersetzt: „Hilf uns, Herr!“
Es ist nicht davon auszugehen, dass es dieselben sind, die dann wenige Tage später rufen: „Ans Kreuz mit ihm!“ (vgl. Mt 27,22f), wie es vermutlich nicht dieselben sind, die einmal gegen und dann für das Mullah-Regime im Iran demonstrieren.
Jene, die Hosanna rufen, setzen ihre Hoffnungen auf den, der gewaltlos seinen Weg geht, das Recht und die Würde der Menschen achtet. Sie erleben wenige Tage später seine Hinrichtung am Kreuz. Haben sie auf den Falschen gesetzt?
Wir feiern am Palmsonntag erneut den einziehenden Friedensfürsten. Wir feiern heute, dass mit ihm zu rechnen ist – auch 2026! Er steht für einen alternativen Weg. Er baut nicht auf das Recht des Stärkeren. Das Drohen, Verunglimpfen, Niedermachen oder Ausbeuten ist nicht seine Methode. Er hört den Schrei jener, die in ihrer Ohnmacht nach Hilfe rufen. Dieser Ruf geht ihm so nahe, dass er alles riskiert, sein Leben. Es ist die Frage: Wie sehr wird der Schrei gehört? Der Schrei kriegsgeplagter Völker, schutzloser Zivilisten, verwundeter Kinder, Frauen und Männer? Es ist ebenso die Frage, wie sehr wird der Schrei der Mitwelt, der Schöpfung, der Natur vernommen? Jenes Hören, das die Herzen anrührt, zu einem Umdenken führt und vor allem ein solidarisches Handeln zur Folge hat.
Manche Schreie verlieren sich in den Diskussionen über Spritpreise, Urlaubstrips, ausfallende Fluglinien oder Preise in den Regalen.
Diese politisch bewegten Tage lassen fragen: Auf wen setzen wir? Wie (re)agieren wir? An Ostern wird deutlich – und wirklich erst an Ostern –, dass der Königsweg der des Friedensfürsten ist.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Jesája anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philíppio anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus anhören möchten:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.