Mahlfeier mit Konsequenzen 1.Lesung: Ex 12,1-8.11-14| 2.Lesung: 1 Kor 11,23-26| Evangelium: Joh 13,1-15
Die Frohbotinnen nahmen gestern von einer Mitschwester (Irma Nesensohn) in Laterns Abschied. Sie wirkte eher unscheinbar und hatte eine fordernde Lebensgeschichte. Sie schrieb in ihr geistliches Testament: „Bemüht euch um ein friedliches und wohlwollendes Miteinander. Setzt kleine Zeichen dafür.“
Setzt kleine Zeichen dafür. Dieser Satz wirkte bei mir nach, als ich mich mit dem Gottesdienst, heute am Gründonnerstag auseinandersetzte. Jesus feiert zu seinem Abschied ein Mahl. Es ist nicht mehr als ein kleines Zeichen. Wir tun es heute ihm – Jesus – nach. Wir setzen ein Zeichen in der Welt heute. Ein prophetisches Zeichen.
Jesus feiert das letzte Abendmahl mit den Jüngern. Es ist zu bedenken, dass seine Jünger alles andere als ein geeinter, einheitlicher und frommer Haufen waren. Bei diesen Männern spiegeln sich die Gegensätze der damaligen Zeit: Schriftgelehrte, Zöllner, Fischer bis hin zu Zeloten, wir würden sie heute vermutlich Terroristen nennen. Jesus hält nochmals ein Mahl mit ihnen.
Das Mahl war zunächst die Erinnerung an den Aufbruch in Ägypten, der Aufbruch in die Freiheit, der Aufbruch in Richtung gelobtes Land. Das gemeinsame Essen ist zugleich beispielgebend für das weitere Miteinander. Seid einander Brot. Teilt miteinander das Brot. Sorgt füreinander.
Die Evangelien geben stichwortartig wieder, was geschah. Es ist allein der Evangelist Johannes, bei dem Jesus eine lange Rede an die Jünger:innen mit dem Mahl verbindet. Jesus dankt. Er bricht das Brot und teilt es aus. Er nimmt den Wein, dankt ebenso und lädt ein, dass alle aus dem Becher trinken.
Es ist ein Mahl. Es wird dabei erinnert, erklärt und gedeutet. Es wird geteilt. Es ist mehr als ein Fastfood, mehr als eine schnelle Sättigung. Es geht um Gemeinschaft, ums gegenseitige Verstehen und Leben teilen, ums gegenseitige Tragen und Ertragen, ums miteinander auf dem Weg sein und bleiben.
Jesus setzt dieses kleine Zeichen. Wie ernst ihm dieses Anliegen einer tragfähigen Gemeinschaft ist, unterstreicht er mit der Fußwaschung. Seid einander zu Diensten, wascht einander die Füße, nicht den Kopf.
Ein erster Eindruck besagt, dass Jesus scheitert. Judas verlässt noch während des Mahls den Saal. Morgen am Karfreitag wird Jesus von den anderen Jüngern verlassen. Von einem gegenseitigen Tragen und füreinander Dasein bleibt wenig übrig. Allein Frauen sind Jesus am Ende unter dem Kreuz noch nahe. Bei den Jünger:innen wächst in der Zeit nach Ostern das Verständnis für das, was ihnen Jesus beim Abschied mitgeben wollte.
Wir erinnern uns heute an das Abendmahl. Die Intention, die Absicht soll lebendig bleiben. Es mag ein kleines Zeichen sein, aber es steht zum Beispiel im Widerspruch zu Gewalt und Krieg. Es ist nicht unser Weg, das Töten von Menschen, schon gar nicht das gezielte Töten. Der Weg der Menschlichkeit ist ein Mahl zu halten. Bei einem Mahl sich Zeit nehmen, um Verbindendes zu suchen und zu entdecken, Unversöhntes anzusprechen, Anliegen und Sorgen zu teilen, einander Anerkennung und Wertschätzung zu zeigen, sich gegenseitig vor Hunger zu bewahren.
Wir feiern ein Mahl mit Brot und Wein und teilen dies. Es ist nicht unser Weg, Bomben auf den Weg zu schicken, die verletzen, töten, zerstören und vernichten. Die Kostbarkeit des Brotes, das uns in die Hand gegeben ist, vermag Menschen über Grenzen hinweg zu verbinden. Es gibt Situationen, da ist solches Brot bedeutender als Gold. Brot, das Menschen nährt, die Seele nährt und Brot, das Menschen zu einer Gemeinschaft zusammenführt.
Es fand ein Mahl statt. Jesus wollte an den Anfang erinnern, an den Aufbruch ins gelobte Land. Und: Er hat mit seinen Jünger:innen auch einen neuen Anfang gesetzt. In Erinnerung an dieses Abendmahl trafen sich in der Folge die Jünger:innen und Gemeinden, um am ersten Tag der Woche das Herrenmahl zu feiern.
Was wir heute feiern ist ein kleines Zeichen. Es ist ein Anfang und zeigt auf, auf welches Ziel hin wir unterwegs sind und wie wir diesen Weg gehen wollen. Es ist ein Aufbruch, ein Anfang im Verständnis, im Denken, in den Herzen. Vielleicht noch nicht mehr?
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Éxodus anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korínth anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Johannes anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.