Antworten finden 1.Lesung: Jes 60,1-6| 2.Lesung: Eph 3,2-3a.5-6| Evangelium: Mt 2,1-12
Das Evangelium stellt sich als Text dar, der mehrschichtig und von Spannungen geprägt ist. Magier (gr.: „Magoi“)kommen aus dem Land des Sonnenaufgangs und suchen nach dem neugeborenen König der Juden (gr.: „Basileus ton Joudaion“). Die Magier werden in der Tradition mit Sterndeutern in Verbindung gebracht, Luther übersetzt sie mit Weisen. Sie könnten auch mit Zauberei in Verbindung gebracht werden. Die Bedeutung ist nicht eindeutig.
Sie suchen nach dem König der Juden. Der Name Juden leitet sich vom Juda ab und bedeutet so viel wie: Gelobter, Gepriesener. Es ist das Volk, das den einen Herrn als Gelobten, Gepriesenen verehrt. (Es ist nicht mit den Juden, die heute in Israel leben, zu verwechseln oder zu identifizieren.) Herodes reagiert auf die Frage der Magier eigenartig. Er ist der König im Land. Es weiß doch, ob für ihn ein neuer Sohn geboren ist oder nicht? Warum fragt er bei den Hohepriestern und Schriftgelehrten nach, wo das Ereignis sein könnte? Wobei Herodes nicht nach dem Königskind fragt, sondern nach dem Christus (gr.: „Christos“), dem Gesalbten.
Herodes – und hier muss man vielleicht sagen: ungewollt – begreift intuitiv, dass die Frage der Magier tiefer zu verstehen ist. Sie suchen nach dem wahren Gesalbten, nach dem wirklichen Heilsbringer. Herodes selbst ist nicht die Antwort auf die Suche der Magier. Er wendet sich an die Hohepriester und Schriftgelehrten. Sie, die Hohepriester und Schriftgelehrten vermögen den Magiern den wichtigen Hinweis zu geben, wo ihr Suchen die Antwort finden wird.
Nun einige Gedanken zu dieser Hinführung: Da ist zunächst einmal die Gestalt des Herodes. Er ist König. Er will aber noch mehr sein. Er will auch der Heilsbringer sein und tritt damit in Konkurrenz zu Gott. Das Schicksal des historischen Herodes ist tragisch. Er wurde wahnsinnig. In seinem Wahn ließ er sogar die ihm liebsten Menschen aus der Familie (Bruder, Frau, Sohn) umbringen.
Die Gestalt des Herodes steht für Menschen, die in Gott einen Konkurrenten sehen und nicht glauben können oder wollen, dass er das Heil aller Menschen will. Da werden Fremde zu Feinden, Minderheiten zur Gefahr, Andersdenkende zur Bedrohung, Arme zu Verachteten, Kranke zur Last. Die Gestalt des Herodes lebt auch in Menschen, die das Suchen des einen Gelobten, Gepriesenen aufgegeben haben. Herodes bleibt in seinem Palast sitzen.
Das Evangelium wirft ebenso ein besonderes Licht auf die Hohepriester und die Schriftgelehrten. Sie finden für die Magier den wichtigen Hinweis für ihre weitere Suche nach dem neugeborenen König der Juden, doch haben auch sie eine fatale Rolle.
Sie lassen sich von Herodes, von der Politik instrumentalisieren. Herodes hat sie nach dem Christus gefragt, nicht: wo ist der König der Juden, sondern wo ist Christus geboren? Diese Antwort bleiben sie schuldig. Sie antworten an der Frage vorbei: Der König der Juden ist in Betlehem geboren, so steht es geschrieben.
Sie bleiben damit aber auch dem Herodes die Antwort schuldig, die ihm möglicherweise die Angst vor einem Konkurrenten, einem neuen König nehmen hätte können. Es wäre zugleich eine wichtige Korrektur gewesen. Kein König ist Heilsbringer. Kein König muss es sein.
Das Evangelium macht uns auf eine latente Gefahr aufmerksam, nämlich, dass die Religion, der Glaube politisch instrumentalisiert wird. Diese Gefahr wächst, wenn nicht der EINE GOTT geehrt und verehrt wird, der der Schöpfer aller Menschen ist und der von diesen Menschen unterschiedlich buchstabiert und geglaubt wird. Es ist ein Missbrauch des Namens Gottes, wenn Gott verwendet wird, um Menschen, Gesellschaften oder Völker zu spalten, oder versucht wird mit Gott die eigene Macht abzusichern.
Das Evangelium nennt die Hohepriester und Schriftgelehrten, sie sich von Herodes einspannen lassen. Es sind einflussreiche Repräsentanten der damaligen religiösen Welt gewesen. Das Evangelium ist als Mahnung an künftige Repräsentanten zu verstehen, wachsam gegenüber Tendenzen der Vereinnahmung zu sein.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Jesája anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Ephesus anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.