
Werben um Gemeinschaft 1.Lesung: Jos 5,9a.10-12| 2.Lesung: 2 Kor 5,17-21| Evangelium: Lk 15,1-3.11-32
Jesus beginnt sein Gleichnis mit einer Ansage: Ein Mann hatte zwei Söhne. Damit klingen biblische herausfordernde – wenn nicht sogar verstörende – Geschichten mit Söhnen an. Adam hatte zwei Söhne: Kain und Abel. Kain erschlägt seinen Bruder. Der Konflikt scheint an Adam vorbeigegangen zu sein. Abraham hat zwei Söhne: Die Magd Hagar gebiert Ismael, seine Frau Sara Isaak. Die Rivalität zwischen den Frauen führt schließlich zur Vertreibung Ismaels. Abraham gibt dabei dem Wunsch Saras nach. Isaak werden die Zwillingssöhne Esau und Jakob geboren. List und Intrigen führen zu einer tödlichen Feindschaft zwischen diesen Brüdern, so dass Jakob auf Rat der Mutter hin flieht. Viel Zeit vergeht bis sich diese Brüder wiederfinden. In allen diesen Erzählungen wirken die Väter schwach, unfähig mit den Krisen ihrer Söhne umzugehen.
Zwei Söhne werden einem Mann geboren, so beginnt Jesus nochmals die Erzählung. Programmiert scheinen Rivalität, Konkurrenz, Feindschaft und andere Herausforderungen zu sein. Allerdings enthält die Erzählung einen großen Unterschied. Der jüngere Sohn geht nicht deshalb weg, weil sich Hass oder Feindschaft zwischen den Söhnen aufgebaut hätten, sondern er geht weg, weil er sich emanzipiert, seinen ganz eigenen Weg gehen will. Er fordert vom Vater dem ihm zustehenden Erbteil und dann will er frei und unabhängig das Leben in der Ferne gestalten.
Der jüngere Sohn verspekuliert sich. Sein Weg endet in der Not, in einer furchtbaren, existentiellen Not. Er wird zu einer entwürdigenden Arbeit gezwungen: zum Schweinehüten. Er hungert, so sehr, dass er gerne aus dem Napf der Schweine gegessen hätte. Es ist das Letzte, was einem Mann passieren kann. Wir haben gehört, dass dieser Sohn sich zum Vater zurückwünscht, nicht als Sohn, sondern als Tagelöhner, um den Hunger stillen zu können.
In den bisherigen Geschichten befinden sich die Väter mehr oder weniger in Nebenrollen. In der von Jesus erzählten Geschichte rückt das Handeln des Vaters in die Mitte. Er erwartet den Sohn, geht ihm entgegen. Er freut sich über die Rückkehr und ermöglicht dem verlorenen Sohn wieder ein würdiges Dasein. Noch mehr: Der Vater will für ihn ein volles, erfülltes Leben und feiert ein Fest. Er begründet es mit den Worten: Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Der Vater feiert mit dem jüngeren Sohn. Der ältere Sohn zeigt wenig Verständnis dafür. Es heißt sogar, dass er zornig wurde. Für ihn und mit ihm wurde noch nie ein solches Fest, wie jetzt mit dem jüngeren Bruder veranstaltet, obwohl er schon viele Jahre seinem Vater gedient und nie ein Gebot übertreten hat.
Der Vater bleibt nicht in der Rolle eines Zuschauers. Er geht auf den älteren Sohn zu, der sich ungerecht behandelt fühlt. Er spricht mit ihm und wirbt um Verständnis: Man muss doch ein Fest feiern und sich freuen; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden.
Der Einsatz des Vaters gilt nicht allein dem Leben. Er will Gemeinschaft, er wirbt für ein Miteinander über Enttäuschungen, Neid, Eifersucht und Rivalitäten hinweg. Er wirbt für eine Gemeinschaft, die das Leben feiert. Die Erzählung lässt es offen, ob der ältere Sohn ins Haus geht, um mitzufeiern oder ob er draußen bleibt.
Die Gefahr ist groß, wenn Menschen draußen bleiben und sich dem Mitfreuen verweigern, dass sich jene Konflikte entwickeln, die die Ausgrenzung, Vertreibung und das Töten zur Folge haben.
Ein letzter Gedanke: Ich kehre nochmals zum jüngeren Sohn zurück. Womit beginnt sein Weg zum Schweinetrog? Er nimmt seinen Anfang mit der Forderung: Gib! Vater, gib mir mein Erbteil! Das Gib, Gib macht nicht satt oder reich, vielmehr entleert eine solche Haltung Beziehungen, Freundschaften und auch Partnerschaften. Wenn das Letzte aus Mitmenschen herausgeholt wird, muss man sich nicht wundern, dass Verbindendes und Liebenswertes verloren gehen.
Das Gib, Gib entleert ebenso den Menschen selbst. Das Leben entfaltet sich im Geben und Nehmen. Der jüngere Sohn fordert den Erbteil für sich, für ein scheinbar ausgesorgtes, bequemes Leben. Es ist der Weg zu den leeren Schüsseln.
Die Nachrichten über die budgetäre Entwicklung in Österreich lassen vermuten, dass die finanziellen Belastungen die Gesellschaft fordern wird. Mit einem „Gib“, „Gib“ wird es nicht zu lösen sein.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Jósua anhören möchten:
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Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korínth anhören möchten:
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Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Lukas anhören möchten:
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In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.
3 Kommentare zu “Werben um Gemeinschaft 1.Lesung: Jos 5,9a.10-12| 2.Lesung: 2 Kor 5,17-21| Evangelium: Lk 15,1-3.11-32”
…danke für die wertvollen Sichtweisen….
Der ältere Bruder bezeichnet seinen jüngeren Bruder in seinem Zorn als “der hier”, “dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat”.
Und der Vater antwortet ihm: “denn dieser, dein Bruder, war tot
und lebt wieder”. Er baut ihm eine Beziehungsbrücke. Ob sein älterer Sohn über diese geht, erfahren wir nicht.
Der Text ist wohl auch eine Anfrage an mich, ob ich lieber (ver)urteile oder mich über die Rückkehr meines Bruders / meiner Schwester mitfreuen kann.
DANKE, Erich.
Wann finden Menschen zueinander?
Meine Frau und ich waren am Samstag zu Gast an einem griechischen Abend, mit gutem Essen und stimmungsvoller Musik. Wir konnten das Programm mit anderen Gästen -GENIEßEN-, das schafft Gemeinschaft.
Letzte Woche besuchten wir einen Ostermarkt, wir waren -DANKBAR- für die bemerkenswerte Kreativität. Das Gleiche bemerkten auch andere Besucher, wir waren uns einig.
Vor ein paar Tagen erzählte mir ein Bekannter, dass seine Freundin sich um Ihren behinderten Sohn -23 Jahre- täglich kümmert. Mein -ZUHÖREN- hat ihm
gut getan. Er fühlte sich verstanden.
Bei unserer regelmäßigen Wassergymnastik fühlen sich die Teilnehmer sehr vom Wasser -GETRAGEN-. Es ist ein gemeinschaftliches empfinden.
Im Schlaf träume ich öfter, ich empfinde dabei -GEMEINSCAFT- mit mir selber.
Ein ehemaliger Kollege hat mich vor ein paar Wochen verletzt, durch mein -VERGEBEN- konnte heute wieder ein gemeinschaftliches Gespräch entstehen.
Gesegnete Grüße