Ein Festmahl für alle Völker 1.Lesung: Jes 25,6-10a| 2.Lesung: Phil 4,12-14.19-20| Evangelium: Mt 22,1-14
Die Lesung aus dem Propheten Jesaja ist einem Abschnitt entnommen, der in der Einheitsübersetzung mit „Jesaja-Apokalypse“ überschrieben ist. Der Prophet Jesaja versucht Antworten auf die neue Situation zu geben. Die Babylonier haben Jerusalem erobert und zerstört. Der König wurde geblendet und viele mit ihm – besonders die Führungsschicht – nach Babylon deportiert. Jerusalem und viele Orte des Landes gleichen einem Trümmerfeld. Der Verlust der Heimat ist vielen eine traumatische Erfahrung. Auch der Glaube Israels gleicht einem Trümmerfeld. Es bestand nämlich die Überzeugung, wenn ein Volk ein anderes besiegt, dass dann ebenso die Götter des Siegervolkes stärker sind als die des Verlierervolkes. Die Herausforderung für Israel: Warum noch länger unserem HERRN (Jahwe) anhängen, wenn die Götter des Siegesvolkes stärker sind?
In dieser für Israel dunklen Zeit sucht Jesaja nach Antworten. Eine dieser Antworten lautet: Glaubensabfall. „Die Erde ist entweiht durch die Bewohner; denn sie haben die Weisungen übertreten, das Gesetz verletzt, den ewigen Bund gebrochen“ (Jes 24,5). Doch bleibt der Prophet nicht bei dieser Antwort stehen. In der Niederlage und in der Vertreibung sucht er mehr als nur eine Strafe Gottes.
So hält er fest: „Herr, du bist mein Gott, ich will dich erheben, deinen Namen preisen, denn du hast Wunder getan, Pläne von fern her verwirklicht, zuverlässig und sicher“ (Jes 25,1). Er merkt an, dass die Pläne Gottes größer und weiter sind als das menschliche Denken. Er erinnert sich an die Wunder, die das Volk in der Vergangenheit erleben durfte, wie den Durchzug durchs Rote Meer, das tägliche Manna in der Wüste, das Wasser aus dem Felsen. Diesen Gott gilt es zu heben, in Erinnerung zu rufen und präsent zu halten.
Der Prophet beschimpft dann nicht die Babylonier oder erklärt sie zu Feinden, sondern sein Denken geht weit darüber hinaus. Er sieht in den Zerstörungen, beziehungsweise im Unglück ein Werk des Herrn (vgl. Jes 25,2-5). Jesaja im Originalton: „Du – Gott – hast die Stadt zu einem Steinhaufen gemacht, die befestigte Stätte zu einem Trümmerfeld“. Und gleichzeitig trägt ihn die Hoffnung, dass der HERR (Gott) sich treu ist. Er ist der Schutz für die Schwachen, der Schutz für den Armen in seiner Not. Er macht den Gesang der Gewalttätigen schwach. Darum ehrt dich das starke Volk – gemeint wohl Israel, und gewalttätige Nation haben Furcht vor diesem Herrn – gemeint die siegreichen Völker.
Jesaja ist der Überzeugung, dass Gott seine Geschichte weiterschreibt, dass ER an seinem Heilsplan festhält, dass die Zukunft nicht in den Händen der Gewalttätigen liegt, sondern sie bleibt in der Hand des HERRN.
Dann folgt diese Beschreibung vom Festmahl auf dem Zion: „Der HERR der Heerscharen wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen“. Mit den Heerscharen Gottes sind keine in den Lüften schwebende, engelhafte Wesen umschrieben, auch keine Legionen schwerbewaffneter Männer, sondern die Heerscharen Gottes bilden die Armen, die Ausgegrenzten, die Ohnmächtigen, die Verwundeten, die Kranken u.ä. Für sie steht Gott ein. Er ist ihr Hüter, ihr Anwalt.
Für diese Heerscharen bereitet der HERR auf dem Zion ein Festmahl mit feinsten Speisen und erlesenen Weinen. Zion ist jener Ort, auf dem der Tempel Gottes mit dem Allerheiligsten steht, doch dieser liegt zerstört danieder als Jesaja die Worte schreibt. In den Augen vieler wirkte es völlig utopisch.
Die Vision des Jesaja birgt noch mehr an Weite. Es soll ein Festmahl für alle Völker sein. Der Zion ist der Ort des HERRN (Jahwes). Da haben sich die Juden versammelt und ihren Gott verehrt. Es war ihre Gebetsstätte, ihr Wallfahrtsort.
Gott, der HERR der Heerscharen, bereitet den Völkern auf dem Zion ein Festmahl. Israel lernt, dass Gott nicht ihr Besitz ist, dass der Tempel, ihre heiligste Stätte nicht nur ein Ort für sie ist, dass Gottes Sorge sich an alle Völker richtet.
Das Bereiten eines Festmahles mit feinsten Speisen und erlesenen Weinen. Der HERR ist gegenwärtig, wenn Menschen sich zum Mahl treffen, die Speisen teilen, Geschichten erzählen, den Hunger stillen, das Miteinander und Füreinander pflegen.
Jesus greift in seinem Wirken die Vision des Jesaja immer wieder auf. Er isst mit Zöllnern und Sündern. Er ist zu Gast bei Zachäus, bei Maria, Martha und Lazarus.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Jesája anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem erste Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philíppi anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.