Leben für Recht und Gerechtigkeit 1.Lesung: Jes 42,5a.1-4.6-7| 2.Lesung: Apg 10,34-38| Evangelium: Mt 3,13-17
In den drei biblischen Texten, die heute am Fest „Taufe des Herrn“ gelesen werden, finden wir Worte, beziehungsweise ein Thema, das im Zusammenhang mit der Taufe wenig Beachtung findet. Es sind die Worte: Recht begründen, Recht und Gerechtigkeit schaffen.
Ich bringe sie nochmals in Erinnerung: So sagt der Prophet Jesaja in der ersten Lesung im sogenannten Gottesknechtslied: Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja er bringt wirklich das Recht. Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. … Ich der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand.
Es ist vorrangige Aufgabe des Knechtes Gottes für das Recht einzutreten. Wobei der Prophet dabei besondere Eckpfeiler setzt, die gerne von Gesetzesphanatikern übersehen werden. Er verwendet Bilder dazu: Das geknickte Rohr zerbricht er nicht – das Recht soll keine Waffe sein, um etwa geknickte Menschen zu treten oder noch mehr in Bedrängnis zu bringen; den glimmenden Docht löscht er nicht aus – das Recht ist auch nicht dazu da, um bei Menschen den Rest von Hoffnung zu zerstören. Das Recht, wie es von Gott gedacht ist, dient der Hoffnung, der Befreiung und dem Aufrichten von Menschen. Wo in dieser Weise um das Recht gerungen wird, wird die Gerechtigkeit Gottes sichtbar.
Vermutlich hat der Prophet Jesaja im Knecht Gottes das Volk Israel gesehen. Es ist von Gott berufen für dieses Recht zu leben oder wie es der Prophet formuliert: Es ist von Gott an die Hand genommen, eine solche Gerechtigkeit zu begründen. Im Neuen Testament finden wir Texte, die im Wirken Jesu Christi erfüllt sehen, wozu der Knecht Gottes berufen ist.
Zur zweiten Lesung: In der Apostelgeschichte kommt Petrus zur Erkenntnis: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Diese Worte stehen im Zusammenhang mit der Taufe des Kornelius und seiner Familie in Cäsaräa am Meer. Es ist die Taufe eines Hauptmanns einer italienischen Kohorte, die erste Taufe mit nichtjüdischer Herkunft. Der Taufe vorausgegangen ist bei Petrus eine Vision. Er befand sich betend auf einem Dach. Am Mittag bekam er Hunger. Da senkte sich ein Leinentuch vom Himmel herab. Darauf war allerhand Getier, Kriechtiere der Erde und Vögel des Himmels, also auch unreine Tiere. Eine Stimme sagte zu ihm: Steh auf Petrus, schlachte und iss! (vgl. Apg 10,13). Petrus sagte nein. Nie habe ich Unreines gegessen. Da kam nochmals die Stimme und sagte ihm: Was Gott für rein erklärt hat, nenne du nicht unrein! Das geschah dreimal. Darauf kommt das Begreifen des Petrus: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Sie hängen untrennbar zusammen, nämlich das Glauben und Recht tun, den Menschen gerecht werden, Recht und Gerechtigkeit begründen. Nochmals diese Erkenntnis bewegt Petrus Kornelius mit seiner Familie zu taufen. Wer Gott fürchtet und tut, was recht ist, ist Gott willkommen. Dieser Aspekt ist in der gegenwärtigen Taufpastoral etwas unterbelichtet.
Zum dritten Text, zum Evangelium: Im Gespräch zwischen Johannes dem Täufer und Jesus, wer jetzt wen taufen soll?, sagt Jesus: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen. Mit dieser Begründung erwirkt Jesus die Taufe durch Johannes. Es sind die ersten Worte, die Jesus im Matthäusevangelium spricht: Lass es nur zu! Denn so können wir die Gerechtigkeit ganz erfüllen.
Wir wissen, dass erste Worte und letzte Worte immer eine besondere Bedeutung haben. Wir können davon ausgehen, dass Jesus beim Propheten Jesaja anknüpft und dessen Vorstellungen über die Gerechtigkeit. Die Arbeit für Recht und Gerechtigkeit ist ein Knechtsdienst. Man kann damit keine Karriere machen, vor allem dann nicht, wenn dieser Einsatz für das Recht jene Menschen im Auge hat, die zu den Außenseitern zählen, die in ihrem Selbstwert geknickt sind, denen die Mittel fehlen sich selbst zu wehren, u. ä.
Auf einen Aspekt sei im Besonderen bei Jesus hingewiesen. Sein Eintreten für Recht und Gerechtigkeit erfolgt nicht für sich und seine Person, sondern er stellt sich in den Dienst – Knechtsdienst –, dass anderen Recht zukommt und an der Gerechtigkeit gearbeitet wird. Darauf gründet Reich Gottes, heilen Beziehungen, wird Friede auf Erden und zeigt sich der offene Himmel.
Es ist wohl offensichtlich, dass die Taufe völlig im Widerspruch zu einem Verhalten steht, dass auf das Recht der Stärkeren setzt. Kurzfristig mag solches Vorgehen erfolgsversprechend sein, langfristig bewirkt es den Ruin einer Gesellschaft, der dem Ende des Turmbaus zu Babel gleicht. Es heißt da: Sie wurden über die ganze Erde zerstreut und die gemeinsame Sprache ging verloren (vgl. Gen 11).
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Jesája anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus der Apostelgeschichte anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.