Ein leises Säuseln 1.Lesung: 1 Kön 19,9ab.11b-13| 2.Lesung: Röm 9,1-5| Evangelium: Mt 14,22-35
Die Bibel ist ein Plädoyer für Gewaltlosigkeit. Dieser Aspekt lässt sich unter anderem auch und gerade in der ersten Lesung belegen. Zu entdecken ist dieser, wenn ein längerer Erzählzyklus, der das Wirken des Elija beschreibt, berücksichtigt wird.
König Ahab von Israel hat sich Isebel, eine phönizische Prinzessin zur Frau genommen. Sie brachte den sogenannten Baalskult – die Verehrung des Gottes der Fruchtbarkeit – mit nach Israel und etablierte ihn mit unzähligen Baalspriestern. Sie hatten die Aufgabe, das Volk umzuerziehen. Gleichzeitig verfolgte Isebel natürlich die Propheten Israels. Der Palastvorsteher Obadija versorgt in einer Höhle 100 davon (1 Kön 18,4).
Grotesk dabei ist, dass mit der Einführung des Fruchtbarkeitskultes eine Dürre im Land folgte. Wenn nicht mehr der Gott des Rechts, der Gerechtigkeit und Menschlichkeit Herr ist, sondern andere vermeintlich „prophetische“ Stimmen, wie Profit, Gier, Ausgrenzung und Ähnliches das Sagen haben, löst das Dürren aus.
Der Prophet Elija tritt in Israel gegen den Baalskult auf. Er vertritt, was sein Name besagt: „Mein Gott ist Herr“, beziehungsweise: „Meine Stärke ist der Herr“. Entschieden und leidenschaftlich fordert er die Priester und Propheten des Baal heraus.
In dieser Erzählung lautet es stereotyp, wiederholend: „Da erging das Wort des Herrn an Elija“ und Elija führte das Gesagte aus (vgl. 1 Kön 17,2; 17,8; 1 Kön 18,1). Er bekommt vom Herrn den Auftrag, den Menschen den wahren Gott zu zeigen. Er fordert die Propheten des Baals zu einem Gebets-Duell auf dem Berg Karmel heraus. Wer bei Gott Erhörung findet, das heißt, das Feuer sich beim Opferaltar entzündet, verehrt den wahren Gott.
Die Priester und Propheten des Baal beginnen. Sie bauen einen Altar und bereiten alles für das Opfer. Dann beginnen sie zu beten, damit sich das Feuer entzündet. Die Intensität ihres Gebetes steigert sich im Laufe des Tages ins Unermessliche, aber es gibt keine Reaktion Gottes. Elija verspottet sie: „Ruft lauter! Er ist doch Gott. Er könnte beschäftigt sein, könnte beiseite gegangen oder verreist sein. Vielleicht schläft er und wacht dann auf“ (vgl. 1 Kön 18,27). Doch es kam kein Laut, keine Antwort, keine Erhörung.
Nachdem bis zum Abend nichts passierte, baute Elija den zerstörten Altar des Herrn wieder auf und bereitete alles für das Opfer. Allerdings übergoss er den Altar, das Holz und alles rundherum mit Wasser. Dann rief er den Gott Abrahams, Isaaks und Israels an. Es trat das Wunder ein. Trotz des Wassers beginnt es zu brennen. Es heißt dann: „Das ganze Volk sah es, warf sich auf das Angesicht nieder und rief: Jahwe ist Gott, Jahwe ist Gott!“ Elija war bestätigt. Er hat das Duell „gewonnen“. Es ist offensichtlich, wer den lebendigen Gott verehrt. Es kommt dann allerdings zu einer fatalen Wende.
Nach dem Triumph vergisst Elija das Hören auf Gott. Er beginnt in seinem Triumph aus eigenem Antrieb zu handeln. Er befiehlt die Priester und Propheten des Baal zu ergreifen und am Bach Kishon zu töten. Diese Maßnahme zieht wiederum den Zorn der Königin Isebel nach sich. Sie beschließt im Gegenzug Elija zu töten und lässt ihn deshalb verfolgen. Elija bleibt nur die Flucht. Er flieht in die Wüste. Dort verfiel er einer Depression. Er wünschte sich den Tod (vgl. 1Kön 19,4). Ein Engel versorgte ihn mit Wasser und Brot. Schließlich erreicht er mit der Hilfe des Engels den Gottesberg Horeb.
Horeb heißt zu Deutsch: Wüste, Einöde, Verwüstung. Elija steht vor einem Problemberg, einem Berg voller Sorgen und Ängste. Es ist für Elija die Botschaft, dass Gott gerade auch in dieser Situation zugegen ist und er mit IHM rechnen kann, aber Elija hat zu lernen.
Elija lernt neu die Stimme Gottes hören: „Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, die die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Angesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.“ (vgl. 1 Kön 19,11-13).
Elija erfährt am Berg Horeb, dass Gott kein Gott der Gewalt ist. Er ist nicht im Erdbeben, nicht im Sturm und Feuer. Sein Handeln gleicht dem sanften, leisen Säuseln des Windes. Daran soll er sich als Prophet messen. Gott trägt ihm ferner auf, einen Nachfolger – Elischa – zu salben. Es gleicht einer Absetzung.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem ersten Buch der Könige anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.