Worte aus dem Mund Gottes 1.Lesung: Dtn 8,2-3.14-16a| 2.Lesung: 1 Kor 10,16-17| Evangelium: Joh 6,51-58
Das Buch Deuteronomium enthält den letzten Lebenstag Mose. Er selbst kommt nicht ins gelobte Land, sondern sein Nachfolger Josua. Im Buch sind also die letzten Anweisungen des Moses enthalten, bevor er stirbt. Man kann das Buch als Testament verstehen, in dem er seinen letzten Willen kundtut und dem Volk aufzeigt, was sie ins gelobte Land kommen lässt.
Wir haben nur einen kurzen Abschnitt aus diesem umfangreichen Buch, der zugleich auf Grund von Auslassungen ein Verschnitt ist, gehört. Drei Gedanken darf ich herausgreifen, die einmal mehr darauf hinweisen, dass manche Themen die Menschen immer wieder beschäftigen.
Ein erster Gedanke: „Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich während der vierzig Jahre in der Wüste geführt hat“. Moses erinnert sein Volk nochmals daran, dass Gottes Spuren in der Geschichte zu erkennen sind, ER sich in der Geschichte offenbart. Wir wissen, wenn man gemeinsam zurückschaut und erzählt, was man so alles geschafft hat, dann kommt man gerne ins Schwärmen über das Geleistete. Die Herausforderungen treten in den Hintergrund. Es treten besonders jene Dinge in den Hintergrund, die man so nicht erhofft hatte. Mose weist dabei darauf hin, dass Gott seinem Volk gerade in größten Nöten zur Seite stand mit Lösungen, die das Volk bisweilen nicht kannte und noch weniger erahnt hätte: Manna gegen Hunger und Wasser aus dem Felsen.
Moses wehrt sich gegen das Vergessen Israels, dass der Weg aus dem Sklavenhaus Ägyptens bis hin ins gelobte Land ihm, Gott verdankt ist. Bei allen Schwierigkeiten, die das Volk auf dem Weg zu bestehen hatte, griff Gott gerade dann ein, als das Volk nur noch den Weg zurück nach Ägypten als Lösung sah. Es bleibt die Vision Gottes: der Weg ins gelobte Land. Man bedenke: Moses erinnert an diese Vision an seinem letzten Lebenstag. Er selbst hat das gelobte Land noch nicht erlebt.
Ein zweiter Gedanke aus der Lesung: Gott wollte dich (Israel) erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur vom Brot lebt, sondern das der Mensch von allem lebt, was der Mund des Herrn spricht.
Wir kennen das Zitat Jesu aus den Versuchungserzählungen bei Lukas und Matthäus: „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Mt 4,4; Lk 4,4). Wer den Weg der Freiheit, vor allem der inneren Freiheit gehen will, ist angewiesen auf die Thora, das Wort Gottes, die Weisungen Gottes.
Ein voller Magen reicht nicht um Durstrecken durchzuhalten, um in Feindseligkeiten ohne Gewalt oder Totschlag zu bestehen, um bei Hass, Neid oder Ängsten in der Hoffnung und Liebe zu bleiben. Vielleicht schätze ich es falsch ein, aber die gegenwärtige Zeit gewöhnt sich an die Kriegssprache. Berichte über Tote – Kinder, Zivilisten, Soldaten – in den Kriegen werden ohne großen Aufschrei zur Kenntnis genommen. Man ist ohnmächtig. Daneben wirkt es irgendwie grotesk, die Aufmerksamkeit, die ein sterbender Wal über Wochen erhielt.
Die Worte, die aus Gottes Mund kommen: Sie sind Worte der Abrüstung, des Vertrauens und des Lebens. Sie sind Worte der Verständigung, der Versöhnung und des Friedens. Es sind Worte, die es zu essen gilt, die zu lernen, zu verinnerlichen, zu verdauen und zu verarbeiten sind.
Das Fest Fronleichnam ruft den Weg in Erinnerung, den Gott mit den Menschen geht. Es ist ein Weg aus der Sklaverei in die Freiheit, mit der Vision des gelobten Landes; in ein Land, das von Milch und Honig fließt.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Deuteronómium anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korínth anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Johannes anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.