Gott liebt diese Welt 1.Lesung: Ex 34,4b.5-6.8-9| 2.Lesung: 2 Kor 13,11-13| Evangelium: Joh 3,16-18
Nikodemus, ein Pharisäer sucht Jesus bei Nacht auf. Sie führen ein intensives Gespräch. Wir haben einen Abschnitt als Evangelium gehört. Eine Aussage Jesu ist dabei: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“. Dazu nun einige Gedanken:
Dass Gott ein Liebender ist, thematisiert der Prophet Hosea, im 8. Jht. v. Chr. zum ersten Mal. Wobei es sich um die verratene Liebe handelt. Israel ist zur Dirne geworden und läuft fremden Göttern nach. Der Glaube also, dass Gott ein Liebender ist, ist alles andere als selbstverständlich. So auch für Nikodemus. Er hat gelernt, wie sehr es drauf ankommt, die Vorschriften und Gebote zu halten, zu den gegebenen Anlässen jeweils die Opfer darzubringen, um sich der Liebe Gottes zu versichern. Das Einhalten von Vorschriften und Geboten und das Darbringen von Opfern sind Voraussetzung, damit Gottes Zuwendung bleibt, damit er gerettet werde oder wie es im Weiteren heißt: damit Jemand nicht zugrunde gehe.
In diese Glaubensvorstellungen kommt das Wort: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht …“ Es ist Gott, von dem die Liebe ausgeht. Man muss diese Liebe nicht mit Vorleistungen – Halten von Geboten oder Opfern – verdienen. Man kann sie schon gar nicht mit Opfern erzwingen. Gott liebt diese Welt. Er ist ihr zugewandt. Es heißt auch, dass er an ihr und mit ihr leidet.
Ein zweiter, wichtiger Aspekt kommt für Nikodemus hinzu: Es heißt nicht, Gott liebt Israel, das auserwählte Volk, sondern Gott hat die Welt geliebt. Wenn der Evangelist Johannes von „Welt“ spricht, dann ist das Gottferne, das Gottfeindliche mitgemeint. Die Liebe Gottes gilt dieser ganzen Welt, nicht einigen Auserwählten. „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“
Gott liebt diese Welt, meint nicht, dass Gott alles toleriert und hinnimmt. Hier dürfen und sollen wir uns an Jesus orientieren, der die Liebe lebte und alles dafür tat, damit die Würde der Menschen gewahrt wird. Er nahm es nicht hin, dass Menschen im Namen Gottes, klein und niedergehalten wurden. Er sah in jedem Menschen das Antlitz Gottes. Die Liebe Gottes will das Leben für jede und jeden. „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“
Wenn wir uns als Kirche diesen Satz verinnerlichen, dann wird klar, Ziel unserer Sendung ist die Welt. Es gilt nicht die Welt zu richten, zu verdammen, sie zu beklagen oder sich von ihr zurückzuziehen. In der Nachfolge Jesu sind wir eingeladen, uns in die Welt hineinzubegeben, uns mit ihr auseinander zu setzen, sie zu heilen, den Dialog mit ihr zu pflegen, letztlich sie zu verwandeln. Es gilt in diese Welt Menschlichkeit hineinzutragen.
Schließlich zum letzten Satz des Evangeliums: „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat“.
Es geht um das Thema: Glauben. Wer glaubt wird nicht gerichtet. Es ist nicht das Glauben an bestimmte Wahrheiten, sondern es betrifft den Glauben als Haltung. Ohne Glauben, ohne Vertrauen und Zutrauen, ohne Vertrauen in das Leben, ohne Vertrauen in Menschen oder ohne Vertrauen in die Zukunft, leidet das Leben. Es geht verloren. Glauben und Vertrauen führen zum Leben.
Der Gedanke wird vertiefend weitergeführt, es handelt sich um das Glauben an den Namen des einzigen Sohnes. Der Name des einzigen Sohnes ist Jesus: Gott hilft, Gott rettet. Wer es aufgibt an den Gott, der hilft und rettet, zu glauben oder ihm nicht traut, ist gerichtet, dem oder der ist schwer zu helfen. Dieses Richten steht hier nicht im Zusammenhang mit den letzten Dingen des Lebens oder ewiger Verdammnis, sondern Thema ist das Leben im Hier und Heute. Du richtest dich selbst zugrunde, wenn du dich nicht für das Vertrauen entscheidest, nicht jenem Gott traust, der dir Hilfe und Rettung sein wird.
Berge dein Leben in diesem rettenden Gott, wenn du ein schwieriges Gespräch vor dir hast. Berge dich in diesem Gott, wenn du eine schwerwiegende Entscheidung fällst. Berge dich in diesem Gott, wenn eine unheilbare Krankheit zum Wegbegleiter wird. Berge dich in diesem Gott, wenn du heute nicht weißt, was morgen sein wird. Berge dich in diesem Gott, wenn Angst und Verzweiflung deine Seele aufzufressen drohen. Berge dich in diesem Gott, wenn ein Schicksal das Leben durchkreuzt.
Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer glaubt, wird gerettet.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Éxodus anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korínth anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Johannes anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.