Gottes Denken und Handeln ist weit 1.Lesung: Sach 9,9-10| 2.Lesung: Röm 8,9.11-13| Evangelium: Mt 11,25-30
332 v.Chr. zog Alexander der Große mit seinen Heeren von Griechenland aus gegen den Osten und eroberte Palästina. Gewalt und Zerstörung folgten seinen Spuren. Das Buch des Propheten Sacharja setzt sich mit dieser Situation auseinander, das heißt, er schildert seine Vision: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir.“ Er ruft zum Jubel und Jauchzen auf, obwohl es rein äußerlich nicht im Geringsten den Anlass dazu gibt: Jerusalem zerstört und das Volk gedemütigt. Wer glaubt an eine Zukunft? Wer will angesichts der Zerstörungen singen, oder gar jubeln und jauchzen? Man mag weiter fragen: Verkennt der Prophet die Realität? Sein Wort ist doch utopisch, weltfremd.
Es ist ein prophetisches Wort in einer äußerst schwierigen Zeit. Dazu einige Erläuterungen:
Die äußeren Umstände sind schwierig. Sie sind Grund für Resignation und Perspektivlosigkeit. Man kann es sich gut vorstellen, wie da gejammert, lamentiert und schwarzgesehen wird, eine deprimierende Stimmung, die mut- und hoffnungslos macht. Der Prophet arbeitet zunächst gegen diese Stimmung: „man kann nichts machen“.
Er sieht einen Grund für seine Sichtweise darin, dass ein „König“ kommt. Ja, er weiß, dass es Gott nie kalt ließ, wenn das Volk in Not war. Sie verdanken Gott – ihrem wirklichen König des Volkes – den Weg in die Freiheit aus der Knechtschaft Ägyptens. Sie verdanken Gott das Ankommen nach langem Weg durch die weglose Wüste. Diesen „König“ dürfen sie auch jetzt erwarten. Er wird kommen. Gerecht ist er und demütig. Er reitet auf einem Esel, nicht hoch zu Ross.
Er ist kein Gott, der dreinschlägt, auch jetzt nicht, aber ausmerzen wird er die Streitwagen in Ephraim und die Rosse in Jerusalem. Die Gewalt, das Kriegsgerät hat keine Zukunft. Diese Bedrohung wird enden. Sie hat ein Ablaufdatum.
Mit diesem Bild des Königs sind zugleich „königliche Menschen“ angesprochen, die die Zukunft im Blick haben. Sie sind es, die es braucht, um wirklich eine hoffnungsvolle Zukunft zu schaffen. Königliche Menschen wissen, Frieden setzt Gerechtigkeit voraus. Gerechtigkeit wiederum vermögen Menschen zu schaffen, die nicht von oben herab, sondern demütig handeln. Wie das Wort sagt: Jene, die Mut zum Dienen haben.
Vielleicht dürfen wir in diesem prophetischen Text drei Stufen entdecken: Es beginnt mit dem Ausmerzen der Streitwagen in Efraim. Es ist der Abbau der Kriegsgeräte, der Waffen. Efraim bedeutet im Hebräischen „Fruchtbarkeit“, „doppelte Fruchtbarkeit“. Waffen verhindern die Fruchtbarkeit. Dieser Abbau von Waffen ist nicht nur eine Frage, die zwischen Staaten und Völkern von Bedeutung ist, sondern in allen Konflikten ist der Abbau von Waffen ein wichtiger Schritt. Manchmal sind solche Waffen verletzende Worte oder Gesten. Die Arbeit an der Gerechtigkeit und dass den Menschen ihr Recht zukommt, bleibt Kern einer Friedensarbeit.
Als zweites seien die Rosse aus Jerusalem ausgemerzt. Es ist das Herabsteigen vom hohen Ross. Vielleicht hat dies schon jemand erlebt? Der Einsatz von berittenen Soldaten oder Polizei: Er macht Angst. Wir haben im Neuen Testament das Beispiel des Paulus. Er fällt vom hohen Ross. Er wird ein anderer. Es ist ein menschlicher Neuanfang. Er gibt die Verfolgung auf. Seine tiefe Einsicht lautet: In Jesus Christus ist jegliche Feindschaft getötet (vgl. Eph 2,16).
Vom Ross herabsteigen: Einander auf Augenhöhe begegnen. Es ist gelebte Achtung und Respekt. Es ist der Abbau von Vorurteilen und Schubladisierungen. Es ist das achtsame Hören und Sehen. Es ist der Verzicht auf das Verurteilen und sich für besser halten zu wollen oder zu müssen als andere. Ausmerzen der Rosse in Jerusalem. Jerusalem – dem Wortsinn nach die „Stadt des Friedens“. Königliche Menschen steigen von ihren Pferden herab.
Als drittes heißt es, dass der Kriegsbogen ausgemerzt wird. Den Kriegsbogen, den man im Köcher mit sich führt. Er wird ausgemerzt. Den Kriegsbogen kann man beiseitelegen, wenn das Vertrauen groß ist und die Furcht vor anderen geschwunden ist. Den Kriegsbogen ausmerzen zeigt sich in einem Agieren ohne Hintergedanken, List oder der möglichen Absicht, die Schwächen des anderen auszunützen. Es ist das Ablegen von Rechthaberei. Königliche Menschen sind aufrichtig und wahrhaftig.
Der Prophet Sacharja beschränkt sich in seiner Vision nicht auf das Volk Israel. Seine Vision erreicht alle Nationen, von Meer zu Meer, vom Strom bis an die Enden der Erde. Gottes Denken und Handeln ist weit. Er nimmt alle Menschen in den Blick. Auch das zeichnet den königlichen Menschen aus.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus dem Buch Sachárja anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.