Durst nach den Menschen 1.Lesung: Apg 2,14.22b-33| 2.Lesung: 1 Petr 17-21| Evangelium: Joh 21,1-14
„Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele. Nach dir schmachtet mein Fleisch wie dürres, lechzendes Land ohne Wasser“ (Ps 63,2). So beschreibt der Psalmist in Psalm 63 die Situation des Menschen. Er dürstet nach Gott wie ein Land der Wüste, das sehnlichst auf Wasser wartet.
Manche werden einwenden, da gibt es doch viele Menschen, die nichts von Gott halten und sich in keiner Weise mit ihm beschäftigen. Sie brauchen keinen Gott und leben gut. Der Durst nach Gott hat unzählige Gesichter und zeigt sich in vielfältiger Weise: in der Suche nach Sinn, nach Liebe, nach Anerkennung, nach Gemeinschaft, nach versöhntem Leben, auch in den Wünschen kreativ und fruchtbar zu sein u.a.m. Es ist ein Durst nach dem „Mehr im Leben“. Ein Durst, je nachdem ob er klein oder groß ist, kann unterschiedliche Reaktionen hervorrufen: Unzufriedenheit, Aggression, Sucht, aber auch Gewalt, Krankheit oder Tod. Menschen, die nicht mehr lieben oder sich lieben lassen, sind wie tot.
Der Mensch dürstet nach Gott. Im heutigen Evangelium hören wir – und das ist Teil der österlichen Botschaft, Teil des Auferstehungsglaubens –, dass der Auferstandene Durst nach den Menschen hat. Es heißt: Er offenbart sich den Jüngern noch einmal. Der Auferstandene geht den Jüngern nach. Er sucht sie auf, um mit ihnen neu zu beginnen, sie zu stärken und sie als neue Gemeinschaft zu formen.
Einige Jünger mit Petrus voran haben sich zum Fischen auf den See gewagt. Eine ganze Nacht lang. Doch die Netze blieben leer. Aller Einsatz war vergeblich. Wer kennt diese Erfahrungen nicht: leere Netze. Über Jahre wurde viel in eine Beziehung investiert und letztlich bleibt das Gefühl der Leere. Man gibt im Beruf alles, aber es wird nicht honoriert. Jemand engagiert sich in einem Verein, alles ehrenamtlich. Es wirkt wie ein leeres Netz, wenn darauf Anschuldigungen oder nur noch Kritik folgen. Ein anderer lernt und lernt und doch reicht es nicht für eine positive Note. Jemand sieht ein, dass er oder sie einen Fehler begangen hat, entschuldigt sich, aber das Gegenüber nimmt es nicht an. Ein leeres Netz.
Wir teilen manchmal die Erfahrung der leeren Netze mit den Jüngern. Die Netze mögen leer sein, aber nicht der See. Er hat genügend Fische für einen reichen Fang. Die Jünger erhalten den Hinweis für den reichen Fang vom Auferstandenen. Er ist für sie zunächst ein Fremder am Ufer. Vielleicht tun sich manche Menschen mit Gott so schwer, weil sie zu fixe Bilder haben und meinen, ihn ganz und gar zu kennen. Der Auferstandene offenbart sich hier als Fremder, der am Ufer steht, der allerdings das leere Netz sieht.
Die gegenwärtige Weltlage gleicht dem Fischen auf hoher See. Was soll man als einzelne, als einzelner ausrichten? Die politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen drängen sich in die Mitte der Gesellschaft, der Nachrichten, Diskussionen und Gespräche. Der Auferstandene wirkt in dieser Welt wie ein Fremder, der entfernt am Ufer steht. Doch von ihm dürfen wir den Hinweis erwarten, der einen reichen Fang verheißt, gemeint Netze, die angefüllt sind mit Menschlichkeit, Würde, Gerechtigkeit; Netze, die vermögen uns satt zu machen.
Der Auferstandene hat für die Jünger weder Vorwürfe, noch macht er sich über sie lustig, sondern er nimmt ihre Not wahr und gibt den Hinweis, wo sie erfolgreich fischen können: auf der rechten Seite.
Der Fremde am Ufer wird zuerst von dem Jünger erkannt, den Jesus liebte. Ausgangspunkt ist die Liebe, die Zuwendung des Auferstandenen. Sie erreicht den Jünger, erreicht ihn in der frustrierenden Situation des leeren Netzes, der vergeblichen Arbeit und Mühe. Der Durst des Auferstandenen nach den Seinen zeigt sich im Aufrichten der erfolglosen, enttäuschten Jünger und Jüngerinnen.
Petrus erlebt sich als nackt. Er zieht ein Oberkleid an und springt ins Wasser. Wir sind an Adam und Eva erinnert, die sich nackt nach dem Essen von der Frucht in der Mitte des Gartens vorkommen. Sie verstecken sich vor Gott. Petrus, der Jesus verleugnete und jetzt nur ein leeres Netz zu bieten hat, springt ins Wasser. Er taucht ab – vermutlich aus Scham.
Das Evangelium erzählt nichts von einer Abfuhr oder Schelte des Auferstandenen gegen Petrus gerichtet. Vielmehr erleben wir, dass der Auferstandene die Jünger neu ruft und beruft: Kommt her und esst! Es ist ein Stärken und Aufrichten. Es ist ein Neuanfang.
Es zeigt sich noch eine besondere Spannung bei diesem Mahl. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Brot und Fisch. Das Mahl ist angerichtet. Alles ist fertig. Und doch sagt Jesus: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt! Der Auferstandene nimmt an, was sie mitzubringen haben. Er achtet ihren Einsatz, ihre Arbeit, die Frucht ihres Tuns. Er teilt mit ihnen das Leben. Er pflegt Kommunion. Er will ohne sie und das Ihre nicht sein.
Petrus mit seiner Geschichte erfährt auf eindrückliche Weise den Durst des Auferstandenen nach ihm, nach Menschen. Es ist Teil unseres Osterglaubens. Kehren wir zum Anfang des Evangeliums zurück: Jesus offenbarte sich den Jüngern noch einmal, auf neue Weise.
Wenn Sie den Text der 1. Lesung aus der Apostelgeschichte anhören möchten:
Wenn Sie den Text der 2. Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus anhören möchten:
Wenn Sie den Text aus dem heiligen Evangelium nach Johannes anhören möchten:
In unseren Gedanken zu den Texten der Sonntage haben wir schon öfter auf die Problematik von Textauslassungen hingewiesen. Wir wollen einen Versuch starten und werden ab dem Beginn des neuen Lesejahres die Texte in der Länge der biblischen Verfasser lesen.
Seit Jahrhunderten beeindruckt die Bibel Menschen mit ihren Formulierungen. In der Zeit ihrer Entstehung für jeden verständlich brauchen Leserinnen und Leser von heute eine Übersetzung dieser Texte. Jede Übersetzung ist in gewisser Weise auch eine Deutung der Schrift. Die Einheitsübersetzung ist uns bereits vertraut. Wir wollen bewusst mit Beginn des neuen Kirchenjahres eine andere Übersetzung verwenden, um uns neu von den Texten überraschen zu lassen. Wir haben uns für die Übersetzung der BasisBibel entschieden, die seit Januar 2021 vollständig vorliegt. Die BasisBibel ist die Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert: klare Sprache, kurze Sätze und verständliche Sprache.